Jahresausklang am Glatten

Als ich noch im Dunkeln um 07:00 Uhr in die sternklare Nacht startete, war ich nicht der erste Frühaufsteher, der heute vor der aufziehenden Front noch auf die Skier wollte. Bereits zwei Autos parkierten vor der Barriere bei P.1036, von wo aus man momentan die Tour beginnen kann. Über die schneebedeckte Strasse düste ich hinauf zum Saliboden und an der Luftseilbahn vorbei. Im Ruosalper Wald lag teils erschreckend wenig Schnee, aber die ausgetretene Spur der letzten Tage war noch gut zu begehen. Auf dem Rücken hinauf zur Ober Stafel 1746m war der Schnee teils abgeblasen, teils windgepresst, teils krustig und ich begüsste freudig die zahlreichen Steine und Felsen, die hier noch nie gesehen hatte (ist ja auch mal schön, neue Dinge auf altbekannten Routen kennenzulernen). Die anschliessende Steilstufe war problemlos zu begehen, der Schnee ist schon deutlich umgegraben worden. Die wenig an das Gelände angepasste, teils erratische Routenführung gab Anlass zu einigen genervte Gemaule meinerseits, aber ich war heute zu bequem, um eine eigene Spur zu ziehen. Bald erreichte ich die Sonne auf dem Plateau und nach 2h45min Punkt 2438, meinem üblichen Gipfelpunkt.

Ich genoss die Aussicht auf das Schächental, die Grosse Windgällen und die Nordwand des Clariden. Der Rücken vom Klausenpass zum Iswändli hat noch mehr Felsen als Schnee, die Nordwand sieht bereits ganz passabel aus. Sonst sieht man den Hängen den letzten Föhnsturm und die Warmphase um Weihnachten an: es hat sehr wenig Schnee!

In der Abfahrt entschied ich mich für die Nordflanke des Glatten. Da die ins Gebiet ziehenden Wolken die Sicht bereits etwas eintrübten und die Kontraste stark verringerten, folgte ich zwei Spuren vom Vortag auf der linken Seite der Flanke. Steinkontakt in den Rinnen gab’s keinen, der Schnee war grösstensteils noch pulvrig, auch wenn an einigen Stellen der Wind einen kleinen Deckel drauf gesetzt hatte. Bei P.1589 wechselte ich mit einem sehr spontan eingeleiteten, nur halbwegs kontrollierten Sprung auf die linke Seite des Baches und fuhr dann ohne die Skier an weiteren Felsen zu strapazieren zum Forstweg, dem ich zurück zum Saliboden folgte. Mit einigem Stockeinsatz erreichte ich schliesslich wieder den Ausgangspunkt. Ein gelungener Ausklang eines an Touren reichen Jahres 2020.

31. Dezember 2020 – Skitour, ZS, ↑1400m, 2h45min, Abfahrt 45min.