Der lange Weg auf‘s Wendenhorn

Seit einiger Zeit liegen wir ja etwas im Clinch mit unserem Wetter-Orakel: trotz ausgiebiger Konsultation und zahlreichen Opfergaben (sogar Schokopudding war dabei!) will es an manchen Tag einfach nicht das richtige Wetter prognostizieren. Aber das nicht ganz kalkulierbare Wetter sorgt natürlich auch für mehr Spannung bei der Tour…

Es war noch immer ziemlich kalt und das Meiental in dicke Wolken gehüllt, als wir nach 1h30min Zustieg vom Sustenbrüggli 1908m über die Firenplangg nach Stöss P.2198 und weiter über Schrofen und zuletzt etwas Firn um 7:30 Uhr beim Vorbau des Wendenhorns ankamen. Kurzzeitig wärmte uns die Sonne, dann frischte der Wind auf, die Wolken hüllten den Berg ein und Finger und Zehen erreichten die für das Klettern im fünften Grad optimalen tiefen Temperaturen…

Die ersten drei Seillängen über den Vorbau (5a-5b) – eigentlich sehr gut abgesichert und im Prinzip gut zu klettern – zogen sich ziemlich in die Länge. Lag aber nicht nur an den eingefroren Fingern und Zehen, sondern auch an den teils noch feuchten Rinnen und Rissen, die die Sonne wider Erwarten noch nicht getrocknet hatte. Aber man wächst mit der Herausforderung…

Nach 1h45min hatten wir den Vorbau bezwungen und machten uns an die leichteren Passagen. Der Fels war herrlich griffig, solide und die Route sehr abwechslungsreich. Und nachdem der Körper endlich Betriebstemperatur erreicht hatte, ging es nun auch deutlich zügiger voran die letzten Seillängen von der Scharte zum Gipfel konnten wir am halblangen Seil gehen. Nach 6h Kletterzeit erreichten wir den höchsten Punkt des Wendenhorns und genossen die wenigen Sonnenstrahlen, die uns durch die Wolken erreichten.

Nach einmaligem Abseilen turnten wir durch die Rinne hinab zur Scharte und seilten dann insgesamt sechsmal bis auf den Firn ab. Durch den schon etwas weichen Schnee ging’s hinab auf die Schrofen und weiter auf dem Pfad zurück zum Sustenbrüggli.

25. Juli 2020 – Klettern 5a/5b; Aufstieg 1100m, 7h30min; Abstieg 4h; Tour mit Conny.